40 Jahre - 1972

Kapitel 2 (1972)

von Uwe Weinreich

Ein echtes Kinderstück „Fazz und Zwoo oder das große Tohuwabohu” eröffnete das zweite Jahr.
Zwar erinnere ich mich an die 72er Version nicht mehr so sehr, dafür viel mehr an die 10 Jahre später erneute Aufnahme dieses Stücks, in der ich den Zwoo spielen durfte; aber dazu später.

Noch befinden wir uns im Jahr 1972, der Spielplan ist bereits klassisch, das heißt, es gibt 3 Stücke, wovon eins das „Weihnachtsmärchen” ist. Diese Art der Spielplangestaltung hat sich im Prinzip nicht allzu sehr verändert in den 40 Jahren. Nur 1972 waren wir, wie schon kurz erwähnt, ein reines Kindertheater, d.h. unsere Zuschauer waren bis zu 12 Jahre alt, und wir versuchten dem unterschiedlichen Alter dadurch Rechnung zu tragen, dass wir immer ein Stück spielten, das mehr für die kleineren Kinder geeignet war und eins mehr für die größeren. Fazz und Zwoo war ein Stück für die Kleinen und „Knobelgasse” mehr für die etwas Älteren.

Zu Fazz und Zwoo sei soviel gesagt, dass es den Zusatztitel „das große Tohuwabohu” zu Recht trägt. Es ging drunter und drüber auf der Bühne, ein typischer Slapstick aus britischer Feder (FAZ and twoo meet OLD KING COLE). Die zwei Protagonisten, nämlich Fazz und Zwoo, könnten auch Stan Laurel und Oliver Hardy heißen. Wie bei ihnen ist die Rollenverteilung klar vorgegeben. Fazz, der vermeintlich Klügere des Duos, denkt sich alles Mögliche und Unmögliche aus, was wiederum sein Adlatus Zwoo in die Tat umzusetzen hat. Grundsätzlich geht zum großen Vergnügen der Zuschauer immer alles schief, was in den Augen von Fazz natürlich Zwoo zu verantworten hat.

Die Kinder liebten dieses Stück, wie Kinder alle Stücke lieben, in denen die Helden auf lustige Art scheitern und die Kinder sich alle durch die Bank viel klüger fühlen können. Die Hauptrolle in diesem Stück hat eigentlich ein Requisit bzw. ein Kostüm, nämlich der Mantel von Zwoo. Er ist voller verschiedener Taschen, in denen sich die aberwitzigsten Requisiten befinden. Doch davon erzähle ich euch mehr, wenn wir im Jahr 1982 angekommen sind und das Stück noch einmal spielen werden.

Erwähnt sei hier noch, dass in diesem Stück Udo Dülme (hier in der Rolle von Fazz) zum ersten Mal im Kindertheater spielte. Ich hebe das besonders hervor, weil erstens kein anderer aus unserem Ensemble in so viel Stücken beteiligt war wie er (zurzeit könnt Ihr ihn in seiner 53. Rolle in „Parzival” sehen) und zweitens sich über die Jahre daraus eine besondere Freundschaft zwischen ihm und mir bildete. Ich verspreche euch, dass dieser Name noch öfter auftauchen wird.

Über das Stück „Einsatz Knobelgasse 19:09” sei soviel gesagt, dass es ein typisches Detektivstück ist. Als in der Knobelgasse ein Unfall mit Fahrerflucht begangen wird, schaltet sich Ernst mit seinen Freunden ein. Sie wollen der Polizei helfen, den Täter zu finden. Nach spannenden Abenteuern gelingt es ihnen tatsächlich, ein ganzes Trio von Autodieben zu überführen.

Wir haben im Kindertheater von Anfang an immer alle Rollen altersgerecht besetzt, d.h. die in diesem Stück spielenden Kinder waren auch Kinder. Zwar hatten wir nicht, wie heute, die Möglichkeit aus unserer Theaterschule junge Schauspieler zu rekrutieren, trotzdem mangelte es uns nicht an Kindern, zumeist aus den eigenen Familien. Unser Bühnenbildner Uwe Böhme hatte drei Töchter und einen Sohn, Paul Winterling drei Enkelkinder. Und so war es nur naheliegend, dass zwei der Kinderrollen mit Anke und Helge Böhme besetzt wurden.

Mit dem Weihnachtsmärchen „Tischlein deck dich” brachte Paul Winterling zum ersten Mal ein Musical auf die Bühne. Hierfür holte er sich, neben bewährten Kräften aus den eigenen Reihen, Studenten der Musikhochschule. Ich erinnere mich dunkel, dieses Stück in einer Aufführung im Stadtsaal Cronenberg gesehen zu haben, den es allerdings schon lange nicht mehr gibt.

Gute Erinnerungen habe ich allerdings an die Ziege, in einem sehr naturalistischen Kostüm und hoch singend, sehr hoch. Wenn es ein Gesangsfach Countersopran gäbe, hätte sie es studieren können. Mir persönlich gefielen sowieso die unstudierten Stimmen weit besser als die ausgebildeten Stimmen der Studenten der Musikhochschule. Das Ziegenkostüm wurde in all den späteren Jahren immer wieder gerne zu Karneval entliehen. War es doch besonders für kalte Tage geradezu ideal. Es könnte sein, dass es dieses Kostüm immer noch gibt.

Ach, und bevor ich es vergesse, Udo Dülme spielte einen Räuber.

Bis nächste Woche
Euer Uwe