Rundschau vom 03.04.13

Echte Drogenberatung

Ein-Mann-Stück: Dieter Marenz hält ein Plädoyer für Koks und Co.
Von Peter Klaus

Ein Mann in den besten Jahren, ein wenig gelangweilt vielleicht, aber durchaus erfolgreich. Wenn man es nicht besser wüsste, träfe die Beschreibung durchaus auch auf Dieter Marenz zu. Ende 50 ist er und seit Jahrzehnten Leiter der Beratungsstelle für Drogenprobleme am Döppersberg. Jetzt steht er vor seinem Publikum und sinniert über eine seltsame Frage: „Welche Droge passt zu mir?“ So hatten wir das Berufsbild des  Drogenberaters bislang noch nicht gesehen.

Und der Mann erklärt anschaulich und überzeugend, warum das Leben mit Drogen einfach besser gelingt, führt uns tatsächlich in die facettenreiche Welt der psychotropen Substanzen ein, und gibt sogar handfeste Tipps, die man von einem Menschen seines Berufsstandes eher nicht erwarten würde. „Wenn Sie Kokain schnupfen, müssen Sie ihre Nasenscheidewände gründlich pflegen, sonst besteht die Gefahr von Entzündung“, referiert Marenz  engagiert vor einem Beamer-Bild an der Wand – Laserpointer in der einen Hand, Karteikarten in der anderen. So geht der Vortrag munter weiter.

Marenz fährt dabei durchaus schwere Geschütze auf: „Nur Kleinmütige und Schwächlinge wählen den sicheren Pfad. Der Held geht über Gipfel“, bemüht er den römischen Philosophen Seneca, um dem Publikum seine substanzreiche Lösung aller Probleme schmackhaft zu machen. Aber es kommt, wie es kommen muss: Das Ganze nimmt irgendwann gruselige  Formen an... Dieter Marenz steht dort eben nicht als erfahrener Suchttherapeut - dieser Drogenberater ist eine Rolle, die verstören und irritieren soll – auch weil der Protagonist nie das übliche Klischee eines
heruntergekommenen Junkies erfüllt, sondern seinem Publikum bisweilen durchaus ähnelt.

Es fängt harmlos an

„Ich fange eigentlich ganz harmlos an. Sozusagen im Plauderton, als ob ich einer Runde von Bekannten und  Freunden ein paar brauchbare Tipps geben wollte. Und am Ende läuft das sozusagen aus dem Ruder“, beschreibt Marenz sein jüngstes Ein-Mann-Stück, das nun an den Erfolg von „Morgen hör ich auf – ein Trinkerleben“ anknüpfen soll. Mit dem Drama stand Dieter Marenz fünf Jahre lang erfolgreich auf der Bühne. Jetzt folgt mit „Welche Droge passt zu mir?“ die zweite Kooperation der Beratungsstelle für Drogenprobleme mit dem Wuppertaler Kinder- und Jugendtheater. Damals waren selbst die  Gefangenen im Knast am Simonshöfchen von Marenz als Trinker auf dem Weg nach unten beeindruckt, obwohl er sicher auch manchen von ihnen einen Spiegel vorhielt. Diesmal blicken dann wohl eben jene in den Spiegel, die die Gesellschaft gemeinhin als erfolgreich betrachtet.

Geschrieben hat das Drama der Rundfunk- und Fernsehautor Kai Hensel. Wenn es am Mittwoch, 24. April, 19 Uhr, in der „Börse“ an der Wolkenburg ein weiteres Mal über die Bühne geht, führt Lars Emrich vom Kinder und- Jugendtheater Regie. Und das wird er vielleicht sogar noch öfter tun. „Eine konkrete Anfrage aus Köln liegt bereits auf dem Tisch“, erzählt Marenz.

» Infos zu weiteren Terminen gibt es unter Telefon 899 154.